21.05.10 Schilddrüse in Bedrängnis
Katharina hat einen Knoten an der Schilddrüse.
Zufällig wurde er von ihrem Hausarzt entdeckt. Die junge Frau hat nun große Angst, dass das "Gewächs" bösartig sein könnte. Schlagworte wie Krebs, Operation und schwere Krankheit schwirren in ihrem Kopf umher.
"Natürlich ist jeder Knoten in der Schilddrüse (Kropf, Struma) als krankhaft aufzufassen und muss vom Spezialisten näher untersucht werden. Trotzdem ist Panik nicht gerechtfertigt. Das Risiko, dass es sich um Krebs handelt, liegt bei unter zehn Prozent", beruhigt Prim. Univ.Prof. Dr. Thomas Leitha, Vorstand der Abteilung für Nuklearmedizin am Donauspital in Wien. Katharina stellt außerdem fest, dass zahlreiche Bekannte ebenfalls davon berichten, einen Knoten an der Schilddrüse zu haben oder dieser bereits mit einem Eingriff beseitigt wurde. "Die Diagnose Struma wird oft gestellt", unterstreicht auch Prim. Leitha. "Man kann davon ausgehen, dass die Häufigkeit mit den Lebensjahren zunimmt. So haben etwa 40 Prozent der 40-Jährigen Knoten, bei den 60-Jährigen sind es schon ca. 60 Prozent. "
Grundsätzlich gibt es die "Struma diffusa“, bei dem die Schilddrüse insgesamt gleichmäßig vergrößert ist, was man gut im Ultraschall erkennen kann. Ursache für eine Vergrößerung ist zumeist Jodmangel. "Zwar wird dem Kochsalz in unseren Breiten aus diesem Grund Jod beigefügt, wer aber viele Fertigprodukte aus. dem Ausland verzehrt, kann trotzdem einen Mangel entwickeln", erklärt Prim. Leitha. Davon unterscheidet man die "Struma nodosa". Diese wird auch Knotenstruma genannt. Sie tritt öfter bei älteren Menschen auf.
Über- oder Unterfunktion?
Die Organveränderung bedeutet nicht unbedingt eine Änderung der Arbeitsleistung der Schilddrüse. "Ein Kropf kann aber auch mit einer Schilddrüsenüberfunktion oder -unterfunktion einhergehen", erklärt Prim. Univ.-Prof. Dr. Alois Kroiss, Facharzt für Nuklearmedizin und Interne Medizin vom Kompetenzzentrum Schilddrüse der Privatklinik Döbling in Wien. "Zusätzliche Beschwerden müssen nicht notwendigerweise auftreten. Manche Patienten klagen allerdings über Druckgefühl im Halsbereich, vor allem beim Stiegensteigen oder Sport. Andere vertragen keine Rollkragenpullover, leiden unter Atemnot, Schluckbeschwerden und Heiserkeit. "
Zunächst wird beim Facharzt (Schilddrüsenambulanz) abgeklärt, ob es sich um einen "kalten" oder "heißen" Knoten handelt. Erstere weisen im Gegensatz zu ihrer gesunden Umgebung einen geringeren Stoffwechsel auf. Als heiß (toxisch) oder hyperfunktionell bezeichnet man Knoten mit einer erhöhten Stoffwechselaktivität. Diese werden auch als autonom bezeichnet, weil sie Schilddrüsenhormone bilden.
"Bei der Ultraschalluntersuchung, die zumeist vorgenommen wird, kann man aber keine eindeutige Auskunft darüber geben, ob der Knoten aktiv ist. Dazu benötigt man die Szintigraphie", erläutert Prim. Kroiss. "Dabei wird dem Patienten ein Radiopharmakon verabreicht. Das ist eine schwach radioaktive Substanz, die sich in dem zu untersuchenden Organ anreichert. Der Stoffwechsel läuft in erkranktem Gewebe schneller oder langsamer ab als normal. So kommt es zu einer unterschiedlichen Verteilung der Substanz. Mit einem Spezialgerät kann man die verschieden starke Strahlung sehen. Ersichtlich ist dann auch, ob der Knoten im Sinne einer, heißen Geschwulst' zu viel oder als, kaltes Adenom' überhaupt kein Schilddrüsenhormon produziert." Weiters werden bestimmte Blutwerte ermittelt, um die Abklärung zu vervollständigen.
Nach Vorliegen der Ergebnisse entscheidet der Mediziner, ob eine Punktion notwendig ist, um Gewebe zu entnehmen und dieses auf Bösartigkeit zu untersuchen.
Durch Verwenden einer ganz dünnen Nadel ist diese Untersuchung kaum schmerzhaft und mit einer Blutabnahme vergleichbar. Die so erhaltenen Zellen werden unter dem Mikroskop beurteilt. "Die so genannte Feinnadelaspiration ist eine wesentliche Entscheidungshilfe für oder gegen einen chirurgischen Eingriff", stellt Prim. Leitha fest. Kalte Knoten werden punktiert, wenn sie bestimmte Kriterien, etwa eine Größe von über einem Zentimeter aufweisen, sie sehr schnell wachsen, der Patient bereits Krebs hatte oder für den Fachmann einfach verdächtig aussehen. Bei Kindern, vor allem, wenn sie bereits einmal an Krebs erkrankt waren, wird in den meisten Fällen sofort eine Punktion durchgeführt.
Regelmäßige Kontrollen
"Ein kalter Knoten sollte im Regelfall allerdings operiert werden, da es sich - im Gegenteil zum heißen Knoten, der äußerst selten bösartig wird - um Krebs handeln könnte“, erklärt Prim. Kroiss. Zumeist entfernt • man in diesem Fall neben dem Adenom auch die Schilddrüse selbst. Der Patient muss dann Hormone nehmen, welche die Funktion der Schilddrüse ersetzen. Auch wenn das Struma sehr unangenehm ist oder die Luftröhre einengt, wird ein Eingriff vorgenommen. Erfolgt keine Operation, ist eine regelmäßige Kontrolle des Knotens oder des vergrößerten Organs wichtig. Eine eventuell zusätzlich vorhandene Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse muss medikamentös behandelt werden.
Quelle: Wartezimmerkrone 07/10 |