Alles über EHEC: Pathogenese, Klinik, Therapie
Über Infektionen mit dem Coli-Bakterium EHEC berichten zurzeit alle Medien. Doch viele fragen sich: Wer ist dieser Erreger überhaupt? Medien sprechen fälschlich von einem Virus, Patienten zeigen sich in den Praxen verunsichert. Hier die wichtigsten Fakten.
Typisches Reservoir für enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) sind Wiederkäuer, vor allem Kühe. Über den Kontakt mit ihrem Kot oder damit kontaminierte Lebensmittel können sich Menschen infizieren. Auch von Mensch zu Mensch oder über verunreinigte Badegewässer werden die Keime übertragen.
Das Besondere an enterohämorragischen E.-coli-Stämmen sind neben der Bindung an Darmzellen vor allem die Toxine (Giftstoffe). Sie sind für den hämolytischen Verlauf einer EHEC-Infektion maßgeblich.
Während der Inkubationszeit von drei bis vier Tagen siedeln die Keime vor allem im Dickdarm an. In schätzungsweise 90 Prozent der Fälle entwickelt sich das typische Syndrom, geprägt von zunächst wässrigen Durchfällen, starken Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Fieber ist meist nicht mit im Spiel.
Üblicherweise beherrscht ein gesunder Körper die Infektion, so dass in vier bis zehn Tagen eine vollständige Heilung eintritt. In zehn bis 20 Prozent der Fälle entwickelt sich jedoch eine hämorrhagische Kolitis. Sie ist geprägt von blutigem Stuhl und krampfartigen Bauchschmerzen.
Bei rund der Hälfte der Erkrankten verschlimmern sich die Symptome in den darauf folgenden Tagen - dem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS). Die Letalität liegt bei etwa zwei Prozent.
Das Problem: Rote Blutkörperchen fungieren in dieser Akutphase als Träger des Shigatoxins. Erreichen sie etwa die Nierengefäße, werden dort die Zellen zerstört. Die Toxine binden an spezielle Zellwandrezeptoren und blockieren die Proteinsynthese. Die Folge ist der schnelle Zelltod.
EHEC kann Gift in die Zellen "spritzen" und hat zudem die Fähigkeit eigene Proteine in die Zielzelle zu "injizieren", darunter auch zelltoxische Proteine . Diese Proteine verleiht EHEC die gute Haftbarkeit an der Schleimhaut.
In der Folge der Erkrankung - es reicht schon eine Infektionsdosis von weniger als 100 Keimen - kommt es schließlich zur Hämolyse (Absterben der roten Blutkörperchen) mit der Folge von Nierenfunktionsstörungen bis hin zum Nierenversagen.
Kennzeichnend für diese Phase der Erkrankung sind außerdem Fieber, eine Blutarmut und ein Mangel an Blutplättchen.
Therapeutisch stehen vor allem unterstützende Maßnahmen zur Symptombegrenzung im Vordergrund. Mittels Blutwäsche wird das Blut der Patienten von den Pathogenen und Toxinen gereinigt.
Bei fortgeschrittener Nierenfunktionsstörung ist die Dialyse erforderlich. Von Antibiotika rät die einschlägige Literatur ab,
da durch das Absterben der Bakterien vermehrt Toxine freigesetzt werden können.